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Delir · ICU

CAM-ICU

Die Confusion Assessment Method for the ICU ist das am besten validierte Instrument zur Delirerfassung bei beatmeten und nicht-verbalen Intensivpatienten. Sie adaptiert den ursprünglichen CAM in einen Zwei-Schritte-Algorithmus, der in unter 2 Minuten durchgeführt werden kann.

Ely et al. 2001 Beliebtheit 85

Übersicht

Die Confusion Assessment Method for the ICU (CAM-ICU) wurde von Ely und Kollegen entwickelt, um die ursprüngliche, stationsbasierte Confusion Assessment Method für beatmete und anderweitig nicht-verbale Intensivpatienten zu adaptieren, die die verbalen Fragen der Original-CAM nicht beantworten können. Sie wurde anhand eines DSM-IV-basierten psychiatrischen Referenzstandards an einer Kohorte internistischer und kardiologischer Intensivpatienten entwickelt und validiert; dabei ergaben sich eine Sensitivität von 93–100 %, eine Spezifität von 98–100 % und eine nahezu perfekte Interrater-Reliabilität (κ = 0,96), wenn die Beurteilung durch geschulte Studienschwestern/-pfleger erfolgte [1][2].

Delir ist positiv, wenn Merkmal 1 + Merkmal 2 + (Merkmal 3 oder Merkmal 4) alle vorhanden sind. Falls RASS −4 oder −5, ist der Patient zu tief sediert — CAM-ICU sollte nicht durchgeführt werden und das Ergebnis wird als „nicht beurteilbar" dokumentiert, bis ein Aufwachversuch das Sedierungsniveau anhebt [3].

CAM-ICU dauert am Patientenbett unter zwei Minuten und benötigt außer der ohnehin routinemäßig durchgeführten RASS-Beurteilung keine weitere Ausrüstung — einer der Gründe, warum es sich weltweit zum am häufigsten eingesetzten Delir-Instrument auf Intensivstationen entwickelt hat. Wie im Abschnitt Wissenschaftliche Validität & Limitationen unten dargestellt, ist die reale Testgüte außerhalb der ursprünglichen Validierungsstudien allerdings variabler, als die viel zitierten Sensitivitäts- und Spezifitätswerte vermuten lassen.

Algorithmus

Schritt 1: Sedierungsniveau beurteilen (RASS)
↓ Falls RASS −4 oder −5: Nicht beurteilbar
M1: Akute Veränderung oder Fluktuation des Bewusstseinszustands?
↓ Falls NEIN → CAM-ICU Negativ
M2: Aufmerksamkeitsstörung? (SAVE-Test Score < 8 / 10)
↓ Falls NEIN → CAM-ICU Negativ
M3: Veränderte Bewusstseinslage? (RASS ≠ 0)
ODER
M4: Desorganisiertes Denken? (< 4/5 Fragen + Befehl korrekt)
↓ Falls M3 ODER M4 positiv:
CAM-ICU POSITIV — Delir vorhanden

Merkmalsdetails

Merkmal 1 — Akute Veränderung oder Fluktuation: Gibt es Hinweise auf eine akute Veränderung des Bewusstseinszustands gegenüber dem Ausgangszustand des Patienten, ODER fluktuierte der Bewusstseinszustand in den letzten 24 Stunden (RASS oder GCS schwankend)? Falls JA, fortfahren.

Merkmal 2 — Aufmerksamkeitsstörung (SAVE-Test): Der Untersucher liest die Buchstabenfolge „S-A-V-E-A-H-A-A-R-T" vor und bittet den Patienten, bei dem Buchstaben „A" die Hand zu drücken. Der Patient erhält für jede korrekte Reaktion (Drücken bei A, kein Drücken bei anderen Buchstaben) 1 Punkt. Score = Anzahl der Fehler von 10 abgezogen. Ein Score < 8 (d. h. ≥ 3 Fehler) ist positiv für Aufmerksamkeitsstörung [1].

SAVE-SequenzErwartete Reaktion
SKein Drücken
ADrücken ✓
VKein Drücken
EKein Drücken
ADrücken ✓
HKein Drücken
ADrücken ✓
ADrücken ✓
RKein Drücken
TKein Drücken

Merkmal 3 — Veränderte Bewusstseinslage: RASS-Wert ungleich null (sediert oder agitiert). Falls RASS ≠ 0, ist Merkmal 3 positiv.

Merkmal 4 — Desorganisiertes Denken: Vier Ja/Nein-Fragen stellen (z. B. „Schwimmt ein Stein auf dem Wasser?"; „Gibt es Fische im Meer?"; „Wiegt 1 Pfund mehr als 2 Pfund?"; „Kann man mit einem Hammer einen Nagel einschlagen?"). Dann den Patienten bitten, zwei Finger hochzuhalten und anschließend mit der anderen Hand dasselbe zu tun (oder einen Finger hinzuzufügen). Ein Gesamtwert < 4 von 5 ist positiv.

Interpretation

ErgebnisBedeutung
CAM-ICU PositivDelir vorhanden — Ursache abklären, nicht-pharmakologisches Bundle einleiten, Arzt informieren
CAM-ICU NegativKein Delir bei dieser Beurteilung — jede Schicht erneut beurteilen
Nicht beurteilbarPatient zu tief sediert (RASS −4/−5) — nach spontanem Aufwachversuch erneut beurteilen

Wissenschaftliche Validität & Limitationen

Die ursprüngliche Entwicklungsstudie berichtete eine nahezu ideale Testgüte — Sensitivität 93–100 %, Spezifität 98–100 % und eine Interrater-Reliabilität von κ = 0,96 —, als CAM-ICU von geschulten Studienpflegekräften unter enger Supervision durchgeführt wurde [1][2]. Spätere Real-World- und Metaanalyse-Daten zeigen eine deutliche Lücke zwischen dieser Bestleistung und der Testgüte im Routinealltag.

Eine niederländische Multicenter-Studie aus dem Jahr 2011 fand, dass die Sensitivität auf etwa 47 % fiel, wenn CAM-ICU im Rahmen der Routineversorgung durch Stationspflegekräfte statt durch Studienpersonal unter strengen Protokollbedingungen angewendet wurde — bei weiterhin hoher Spezifität von 98 % [4]. Eine systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse aus dem Jahr 2012, die mehrere Validierungskohorten zusammenfasste, berichtete eine Gesamt-Sensitivität von etwa 80 % und eine Spezifität von etwa 96 % [5], und eine weitere Metaanalyse aus demselben Jahr zu Delir-Screening-Instrumenten auf der Intensivstation fand vergleichbar unvollkommene gepoolte Testgüte sowohl für CAM-ICU als auch für die Intensive Care Delirium Screening Checklist (ICDSC), ohne dass eines der Instrumente eine klare Überlegenheit zeigte [6].

Gut dokumentierte Limitationen, unabhängig von einzelnen Validierungsstudien:

Sowohl CAM-ICU als auch ICDSC werden in den PADIS-Leitlinien der Society of Critical Care Medicine von 2018 weiterhin als validierte Delir-Monitoring-Instrumente für den Routineeinsatz auf der Intensivstation empfohlen; die Wahl zwischen beiden wird der institutionellen Präferenz überlassen, da keines der beiden Instrumente eine nachgewiesene Überlegenheit zeigt [7].

Literatur

  1. Ely EW, Inouye SK, Bernard GR, et al. Delirium in mechanically ventilated patients: validity and reliability of the confusion assessment method for the intensive care unit (CAM-ICU). JAMA. 2001;286(21):2703–2710. doi:10.1001/jama.286.21.2703
  2. Ely EW, Margolin R, Francis J, et al. Evaluation of delirium in critically ill patients: validation of the Confusion Assessment Method for the Intensive Care Unit (CAM-ICU). Crit Care Med. 2001;29(7):1370–1379. doi:10.1097/00003246-200107000-00012
  3. Sessler CN, Gosnell MS, Grap MJ, et al. The Richmond Agitation-Sedation Scale: validity and reliability in adult intensive care unit patients. Am J Respir Crit Care Med. 2002;166(10):1338–1344. doi:10.1164/rccm.2107138
  4. van Eijk MM, van den Boogaard M, van Marum RJ, et al. Routine use of the confusion assessment method for the intensive care unit: a multicenter study. Am J Respir Crit Care Med. 2011;184(3):340–344. doi:10.1164/rccm.201101-0065OC
  5. Gusmao-Flores D, Salluh JIF, Chalhub RÁ, Quarantini LC. The confusion assessment method for the intensive care unit (CAM-ICU) and intensive care delirium screening checklist (ICDSC) for the diagnosis of delirium: a systematic review and meta-analysis of clinical studies. Crit Care. 2012;16(4):R115. doi:10.1186/cc11407
  6. Neto AS, Nassar AP Jr, Cardoso SO, et al. Delirium screening in critically ill patients: a systematic review and meta-analysis. Crit Care Med. 2012;40(6):1946–1951. doi:10.1097/CCM.0b013e31824e16c9
  7. Devlin JW, Skrobik Y, Gélinas C, et al. Clinical Practice Guidelines for the Prevention and Management of Pain, Agitation/Sedation, Delirium, Immobility, and Sleep Disruption in Adult Patients in the ICU. Crit Care Med. 2018;46(9):e825–e873. doi:10.1097/CCM.0000000000003299

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Nur für Forschungs- und Bildungszwecke. Nicht für die direkte klinische Entscheidungsfindung geeignet.