Übersicht
Vorhofflimmern erhöht das Risiko eines ischämischen Schlaganfalls erheblich, wobei dieses Risiko zwischen einzelnen Patienten stark variiert, abhängig von Begleiterkrankungen und Demografie. Der CHA2DS2-VASc-Score wurde 2010 von Lip und Kollegen als Weiterentwicklung des früheren CHADS2-Scores eingeführt und ergänzt drei zusätzliche Risikofaktoren — Gefäßerkrankung, Alter 65–74 Jahre und weibliches Geschlecht —, um Patienten mit tatsächlich niedrigem Risiko besser zu identifizieren, die sicher auf eine Antikoagulation verzichten können, sowie das Risiko über das gesamte Spektrum von Vorhofflimmern-Patienten präziser zu stratifizieren.
Der Score wird anhand von acht klinischen Variablen berechnet, von denen jede 0, 1 oder 2 Punkte beiträgt, bis zu einem Maximum von 9 Punkten. Er ist heute das von europäischen und amerikanischen kardiologischen Leitlinien empfohlene Standardinstrument zur Entscheidung über den Beginn einer oralen Antikoagulation bei Patienten mit nicht-valvulärem Vorhofflimmern.
Skala / Variablen
| Risikofaktor | Kriterium | Punkte |
|---|---|---|
| C | Herzinsuffizienz / linksventrikuläre Dysfunktion | 1 |
| H | Arterielle Hypertonie | 1 |
| A2 | Alter ≥ 75 Jahre | 2 |
| D | Diabetes mellitus | 1 |
| S2 | Schlaganfall, TIA oder Thromboembolie in der Vorgeschichte | 2 |
| V | Gefäßerkrankung (z. B. Myokardinfarkt, pAVK oder Aortenplaque) | 1 |
| A | Alter 65–74 Jahre | 1 |
| Sc | Geschlecht (weiblich) | 1 |
Der Gesamtscore reicht von 0 bis 9 Punkten, als Summe aller zutreffenden Kriterien.
Interpretation
| Score | Jährliches Schlaganfallrisiko |
|---|---|
| 0 | 0,2 % |
| 1 | 0,6 % |
| 2 | 2,2 % |
| 3 | 3,2 % |
| 4 | 4,8 % |
| 5 | 7,2 % |
| 6 | 9,7 % |
| 7 | 11,2 % |
| 8 | 10,8 % |
| 9 | 12,2 % |
Risikoschätzungen aus der Friberg et al. 2012 Swedish-Atlas-Kohorte (182.678 Patienten mit Vorhofflimmern).
Gemäß den ESC-Leitlinien 2020 zu Vorhofflimmern ist die Antikoagulationsempfehlung geschlechtsspezifisch:
- Männer: Score 0 — keine antithrombotische Therapie erforderlich; Score 1 — Antikoagulation erwägen, individuell abwägen; Score ≥ 2 — Antikoagulation empfohlen.
- Frauen: Score 1 — keine antithrombotische Therapie erforderlich; Score 2 — Antikoagulation erwägen, individuell abwägen; Score ≥ 3 — Antikoagulation empfohlen.
Weibliches Geschlecht allein (ohne weiteren Risikofaktor) gilt nicht als eigenständige Indikation für eine Antikoagulation.
Literatur
Lip GYH, Nieuwlaat R, Pisters R, Lane DA, Crijns HJGM. Refining Clinical Risk Stratification for Predicting Stroke and Thromboembolism in Atrial Fibrillation Using a Novel Risk Factor-Based Approach: The Euro Heart Survey on Atrial Fibrillation. Chest. 2010;137(2):263–272.
Friberg L, Rosenqvist M, Lip GYH. Evaluation of Risk Stratification Schemes for Ischaemic Stroke and Bleeding in 182,678 Patients With Atrial Fibrillation: The Swedish Atlas Cohort Study. Eur Heart J. 2012;33(12):1500–1510.
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In Scores2Go öffnenNur für Forschungs- und Bildungszwecke. Nicht für die direkte klinische Entscheidungsfindung geeignet.