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Herzchirurgie · Mortalität

EuroSCORE II

European System for Cardiac Operative Risk Evaluation II schätzt die 30-Tage-Operationsmortalität mittels logistischer Regression auf Basis von 18 klinischen Variablen. Abgeleitet aus einem prospektiven europäischen Datensatz 2010–2011.

Nashef et al. 2012 Beliebtheit 85

Übersicht

EuroSCORE II ersetzte den ursprünglichen additiven und logistischen EuroSCORE (1999) als empfohlenes präoperatives Risikomodell für herzchirurgische Eingriffe bei Erwachsenen in Europa, nachdem sich gezeigt hatte, dass das ältere Modell die Mortalität in der überwiegend risikoarmen zeitgenössischen Patientenpopulation deutlich überschätzte [2]. Es verwendet ein vollständig logistisches Regressionsmodell und liefert eine vorhergesagte 30-Tage-Krankenhausmortalität als Wahrscheinlichkeit. Das Modell wurde aus 22.381 konsekutiven Patienten abgeleitet, die zwischen Mai 2010 und Juli 2011 in 43 Ländern herzchirurgisch versorgt wurden [1].

Zwei Variablen im Modell haben eine kontraintuitive Definition, die man vor der Dateneingabe kennen sollte: Das Alter wird nicht als kontinuierlicher Rohwert verwendet — jedes Alter von 60 Jahren oder darunter trägt denselben festen Risikoanteil bei, und jedes Jahr über 60 addiert einen weiteren Schritt — und die Nierenfunktion wird anhand der Kreatinin-Clearance (Cockcroft-Gault, die Gewicht und Geschlecht einbezieht) eingestuft, nicht anhand eines einfachen Serumkreatinin-Grenzwerts wie im ursprünglichen EuroSCORE von 1999.

Formel

logit = −5,324537 + Σ (Variablenkoeffizienten)

Vorhergesagte Mortalität = e^logit / (1 + e^logit)

Das Alter geht als Xi = 1 für jedes Alter ≤ 60 oder Xi = Alter − 59 für Alter > 60 ein, multipliziert mit dem unten genannten Alterskoeffizienten — ein 45-Jähriger und ein 60-Jähriger erhalten also denselben Altersbeitrag, während ein 75-Jähriger 15 Schritte erhält.

Patientenbezogene Faktoren

VariableKoeffizient (β)
Alter (Xi-Transformation, siehe oben)0,0285181
Weibliches Geschlecht0,2196434
Nierenfunktion — CrCl 51–85 mL/min0,303553
Nierenfunktion — CrCl ≤ 50 mL/min0,8592256
Nierenfunktion — Dialysepflichtig0,6421508
Extrakardiäre Arteriopathie0,5360268
Eingeschränkte Mobilität0,2407181
Vorherige Herzoperation1,118599
COPD (Langzeit-Bronchodilatator-/Steroidtherapie)0,1886564
Aktive Endokarditis0,6194522
Kritischer präoperativer Zustand1,086517
Insulinpflichtiger Diabetes mellitus0,3542749

Kardiologische & operative Faktoren

VariableKategorieKoeffizient (β)
NYHA-KlasseII0,1070545
III0,2958358
IV0,5597929
CCS-Angina Klasse 4Ja0,2226147
LV-Funktion (EF)Moderat 31–50 %0,3150652
Schlecht 21–30 %0,8084096
Sehr schlecht ≤ 20 %0,9346919
Frischer Herzinfarkt (≤ 90 Tage)Ja0,1528943
Pulmonale HypertonieModerat 31–55 mmHg0,1788899
Schwer > 55 mmHg0,3491475
DringlichkeitDringlich0,3174673
Notfall0,7039121
Salvage1,362947
EingriffskomplexitätZwei Eingriffe0,5521478
Drei oder mehr0,9724533
Operation an der thorakalen AortaJa0,6527205

Risikoklassifikation

Vorhergesagte MortalitätRisikoklasse
< 2 %Niedrig
2–5 %Moderat
5–10 %Hoch
> 10 %Sehr hoch

Diese Bänder sind eine Scores2Go-Konvention für die schnelle Triage und keine im Originalpapier definierte Klassifikation — EuroSCORE II selbst berichtet nur eine kontinuierliche Mortalitätswahrscheinlichkeit.

Wissenschaftliche Validität & Limitationen

Externe Validierungen haben insgesamt eine gute Diskriminierung von EuroSCORE II bestätigt, aber wie bei den meisten an eine bestimmte Ära und Population angepassten Schweregradscores variiert die Kalibrierung je nach Kohorte. Eine Validierung 2013 in einer modernen britischen herzchirurgischen Kohorte fand eine starke Diskriminierung bei gleichzeitig unvollständiger Kalibrierung in einzelnen Risikoklassen [3]. Ein größerer Multicenter-Vergleich im selben Jahr fand, dass EuroSCORE II deutlich besser kalibriert war als die additive oder logistische Version des ursprünglichen EuroSCORE von 1999, wobei in einzelnen Risikoklassen weiterhin eine nicht triviale Überschätzung bestand [4]. Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2014, die 22 Validierungsstudien mit über 145.000 Eingriffen zusammenfasste, bestätigte insgesamt eine durchgehend gute Diskriminierung, jedoch eine erhebliche Heterogenität der Kalibrierung zwischen den Studien — das Verhältnis von beobachteter zu erwarteter Mortalität variierte deutlich nach Land, Ära und Fallmix [5].

Gut dokumentierte Limitationen, unabhängig von einzelnen Validierungsstudien:

Literatur

  1. Nashef SA, Roques F, Sharples LD, Nilsson J, Smith C, Goldstone AR, Lockowandt U. EuroSCORE II. Eur J Cardiothorac Surg. 2012;41(4):734–744. doi:10.1093/ejcts/ezs043
  2. Nashef SA, Roques F, Michel P, Gauducheau E, Lemeshow S, Salamon R. European system for cardiac operative risk evaluation (EuroSCORE). Eur J Cardiothorac Surg. 1999;16(1):9–13. doi:10.1016/s1010-7940(99)00134-7
  3. Chalmers J, Pullan M, Fabri B, et al. Validation of EuroSCORE II in a modern cohort of patients undergoing cardiac surgery. Eur J Cardiothorac Surg. 2013;43(4):688–694. doi:10.1093/ejcts/ezs406
  4. Barili F, Pacini D, Capo A, et al. Does EuroSCORE II perform better than its original versions? A multicentre validation study. Eur Heart J. 2013;34(1):22–29. doi:10.1093/eurheartj/ehs342
  5. Guida P, Mastro F, Scrascia G, et al. Performance of the European System for Cardiac Operative Risk Evaluation II: a meta-analysis of 22 studies involving 145,592 cardiac surgery procedures. J Thorac Cardiovasc Surg. 2014;148(6):3049–3057. doi:10.1016/j.jtcvs.2014.07.039
  6. Kirmani BH, Mazhar K, Fabri BM, Pullan DM. Comparison of the EuroSCORE II and Society of Thoracic Surgeons 2008 risk tools. Eur J Cardiothorac Surg. 2013;44(6):999–1005. doi:10.1093/ejcts/ezt216

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Nur für Forschungs- und Bildungszwecke. Nicht für die direkte klinische Entscheidungsfindung geeignet.