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Notfall · Gefäßmedizin

Wells-Score (tiefe Beinvenenthrombose)

Schätzt die klinische Vortestwahrscheinlichkeit einer tiefen Beinvenenthrombose bei Verdacht und unterstützt die Wahl zwischen D-Dimer-Test und Kompressionssonographie.

Wells et al. 2003 Popularität 85
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Übersicht

Der Wells-Score für die tiefe Beinvenenthrombose (TVT) ist eine klinische Vorhersageregel, die Befunde am Krankenbett in eine Vortestwahrscheinlichkeit für eine TVT des Beins übersetzt. Das ursprüngliche Modell wurde 1995 entwickelt [1] und 1997 weiterentwickelt und prospektiv geprüft; dabei wurde gezeigt, dass ein an der Vortestwahrscheinlichkeit orientiertes Vorgehen praktikabel ist [2]. In Scores2Go ist der modifizierte Wells-Score von 2003 umgesetzt: Er ergänzt ein Kriterium für eine früher dokumentierte TVT, verlängert das Operationsfenster auf 12 Wochen und wird zweistufig („TVT unwahrscheinlich“ / „TVT wahrscheinlich“) in Kombination mit einem D-Dimer-Test interpretiert [3]. Ein systematischer Review in JAMA fasste die Evidenz zur Regel zusammen [4].

Der Score ist ausschließlich für Patienten gedacht, bei denen klinisch der Verdacht auf eine TVT des Beins besteht. Er ist kein Screeningwerkzeug für asymptomatische Patienten. Wenn auch eine Lungenembolie in Betracht kommt, siehe den Wells-Score (Lungenembolie).

Scores2Go zeigt als Zweitergebnis auch die dreistufige Einteilung (niedrig / mittel / hoch), da sie weit verbreitet ist und die Prävalenzangaben von 1997 an sie geknüpft sind [2].

Variablen & Punkte

KriteriumPunkte
Aktive Tumorerkrankung (Behandlung laufend, innerhalb der letzten 6 Monate oder palliativ)+1
Lähmung, Parese oder kürzliche Gipsimmobilisation der unteren Extremität+1
Bettlägerigkeit ≥ 3 Tage oder größere Operation innerhalb der letzten 12 Wochen (Allgemein- oder Regionalanästhesie)+1
Lokalisierter Druckschmerz entlang des tiefen Venensystems+1
Schwellung des gesamten Beins+1
Unterschenkelschwellung ≥ 3 cm im Vergleich zur Gegenseite (gemessen 10 cm unterhalb der Tuberositas tibiae)+1
Eindrückbares Ödem, auf das symptomatische Bein beschränkt+1
Kollaterale oberflächliche Venen (keine Varizen)+1
Früher dokumentierte tiefe Beinvenenthrombose+1
Alternative Diagnose mindestens ebenso wahrscheinlich wie TVT (z. B. Baker-Zyste, Erysipel/Phlegmone, Muskelzerrung, postthrombotisches Syndrom)−2

Gesamtpunktzahl = Summe aller zutreffenden Kriterien (Bereich −2 bis +9). In Scores2Go müssen alle Kriterien beantwortet werden, bevor ein Ergebnis angezeigt wird.

Interpretation

Der Score kann auf zwei Arten interpretiert werden. Die zweistufige Version wurde in der Management-Studie von 2003 verwendet und wird in Scores2Go als Hauptergebnis angezeigt [3].

Zweistufige Interpretation (Wells 2003)

ScoreKategorieNächster Schritt
≤ 1TVT unwahrscheinlichD-Dimer
≥ 2TVT wahrscheinlichKompressionssonographie

Dreistufige Interpretation

ScoreKategorieCa. TVT-Prävalenz (Wells-Kohorte 1997)
≤ 0Niedrig~3 %
1 – 2Mittel~17 %
≥ 3Hoch~75 %

Die Prävalenzangaben stammen aus der prospektiven Managementstudie von 1997 [2]. Manche Sekundärquellen bezeichnen ≥ 3 Punkte als „wahrscheinlich“, während das primäre zweistufige Modell von 2003 den Schwellenwert ≥ 2 verwendet [3]; Scores2Go folgt der Primärliteratur. Die Prävalenz hängt von Setting und Population ab.

Diagnosepfad (zweistufig)

KategorieSchritt 1Schritt 2
TVT unwahrscheinlich (≤ 1)D-Dimer.Negativ: TVT ausgeschlossen. Positiv: Kompressionssonographie.
TVT wahrscheinlich (≥ 2)Direkt Kompressionssonographie.Der D-Dimer-Test allein sollte in dieser Gruppe nicht zum Ausschluss einer TVT verwendet werden.

Unterschiede zwischen der Version von 1997 und 2003

Wissenschaftliche Validität & Limitationen

Der Wells-Score gehört zu den am besten untersuchten Regeln bei Verdacht auf TVT und wurde in einem systematischen Review zusammengefasst [4]. Er ist dennoch eine Wahrscheinlichkeitsschätzung und keine Diagnose und hat bekannte Einschränkungen:

Literatur

  1. Wells PS, Hirsh J, Anderson DR, et al. Accuracy of clinical assessment of deep-vein thrombosis. Lancet. 1995;345(8961):1326–1330.
  2. Wells PS, Anderson DR, Bormanis J, et al. Value of assessment of pretest probability of deep-vein thrombosis in clinical management. Lancet. 1997;350(9094):1795–1798.
  3. Wells PS, Anderson DR, Rodger M, et al. Evaluation of D-dimer in the diagnosis of suspected deep-vein thrombosis. N Engl J Med. 2003;349(13):1227–1235.
  4. Wells PS, Owen C, Doucette S, Fergusson D, Tran H. Does this patient have deep vein thrombosis? JAMA. 2006;295(2):199–207.
  5. Geersing GJ, Zuithoff NP, Kearon C, et al. Exclusion of deep vein thrombosis using the Wells rule in clinically important subgroups: individual patient data meta-analysis. BMJ. 2014;348:g1340.
  6. Engelberger RP, Aujesky D, Calanca L, et al. Comparison of the diagnostic performance of the original and modified Wells score in inpatients and outpatients with suspected deep vein thrombosis. Thromb Res. 2011;127(6):535–539.
  7. Kilroy D, Ireland S, Reid P, Goodacre S, Morris F. Emergency department investigation of deep vein thrombosis. Emerg Med J. 2003;20(1):29–32.
  8. Modi S, et al. Wells criteria for DVT is a reliable clinical tool to assess the risk of deep venous thrombosis in trauma patients. World J Emerg Surg. 2016;11:24.

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